Signatur Emil Wachter - EWa

Mein Elternhaus

Öl auf Leinwand
39 x 41 cm, 1943

Mein Elternhaus Zurück
Schon während des Krieges malte und zeichnete Emil Wachter intensiv. Auf kleinen Formaten entstanden Anfang der vierziger Jahre erste Ölbilder, die noch den Einfluss der Impressionisten erkennen lassen. Deren Werke, während des Nationalsozialismus verfemt, hatte Wachter in Frankreich auf Reproduktionen kennen gelernt. Das Ölbild "Mein Elternhaus", 1943 während eines Heimaturlaubs entstanden, ist entsprechend keine detailversessene Bestandsaufnahme des Gesehenen sondern ein Stimmungsbild. Die aufgelösten Konturen und der trockene, kurze Pinselstrich, der den Malgrund an zahlreichen Stellen sichtbar lässt, stellt die optische Verbindung aller Bildteile untereinander her. Dadurch kommt es zu einer atmosphärischen Verschmelzung der Gesamtansicht, die von dem kühlen Blau des Winterhimmels dominiert wird. Noch bleibt Wachter weitestgehend der für diese frühe Phase typischen erdigen Lokalfarbigkeit verhaftet. Stellenweise kontrastiert er sie jedoch mit Purpur und Zinnober, in Berücksichtigung der durch die einfallende Wintersonne verursachten Lichtreflexe. Mutig hat Wachter hier auch foto-optische Erfahrungen im Bild umgesetzt. Es scheint, als konkretisiere sich, der Fokussierung durch eine optische Linie ähnlich, das leicht schräg in die Bildmitte plazierte Haus im Bereich des sonnenbeschienenen Giebels und der dem Betrachter zunächst gelegenen Ecke zur Seitenwand stärker als der zurückfluchtende Teil und der nackte Baumstamm ganz vom im Bild, dessen knorrige Äste nur auf der Höhe des Hauses eine diesem ähnliche Präzision erfahren haben. Auch der lehmige Boden im vorderen Bildbereich ist nur mit groben Pinselhieben skizziert, vor denen sich das Federkleid eines Huhnes leuchtend weiß abhebt. Dieses kleine Detail, einziger Zeuge dieser Mittagsszene, macht dem Betrachter die Abwesenheit von Figurenpersonal erst bewusst, über die die lebendige Behandlung des Lichtes im ersten Moment hinwegtäuscht. So entsteht nicht der Eindruck von Verlassenheit, sondern die Gewissheit, dass sich die dörflichen Straßen nach der Mittagsruhe wieder mit Leben füllen werden.' (aus: Nadya Badr, "Leben gemalt", S. 66, Swiridoff-Verlag)